Wein und Gesundheit

Wein und Gesundheit

Wein besteht zu 80-85 Prozent aus Wasser. Neben diesem Hauptbestandteil ist der Alkohol ein wesentlicher Inhaltsstoff. „Alkohol ist Gefährlich” - diese Aussage hat vor allem hinsichtlich der vielen Suchtkranken nach wie vor seine Berechtigung. Doch nach neuesten Erkenntnissen von Ernährungswissenschaftlern und Medizinern ist der im Wein enthaltene Alkohol nicht grundsätzlich ungesund. lm Gegenteil: Der Alkohol des Weines kann der Gesundheit durchaus förderlich sein.

Dabei spielt allerdings die Mischung mit den anderen Inhaltsstoffen des Weines eine große Rolle,

die in dieser Kompositionin keinem anderen Getränk der Welt vorkommt. So konnte sogar die amerikanische Bundesregierung 1996 in ihren Gesundheitsrichtlinien feststellen, dass der tägliche Konsum einer gewissen Menge Alkohol der Gesundheit förderlich ist. Den gesundheitsförderlichen Auswirkungen des Weinkonsums kamen die Wissenschaftler bei der Untersuchung des berühmten „französischen Paradoxes” auf die Spur.

Einerseits sind die Franzosen mit einem Konsum von nahezu 60 Litern Wein pro Kopf und Jahr die durstigsten Weintrinker der Welt. Die Gerichte ihrer berühmten Küche sind meistens äußerst fetthaltig und von daher reich an schädlichen Cholesterinen. Dennoch haben die Forscher bei den Franzosen vergleichsweise wesentlich weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt als bei den in vieler Hinsicht gesundheits-bewussten U5-Amerikanern.

Heute ist einwandfrei bewiesen,

dass der Weinkonsum für dieses Paradox verantwortlich ist. Eine bahnbrechende Untersuchung zum Zusammenhang von Weinkonsum und Herzerkrankungen war die „Kopenhagen-Studie” von 1995. Danach verringert sich bei mäßigem Weinkonsum die Gefahr eines Herzinfarktes gegenüber entschiedenen Abstinenzlern um 60 Prozent, das allgemeine Sterblichkeitsrisiko immerhin noch um 50 Prozent. Und auch die Gefahren von Arteriosklerose und Angina pectorisbis hin zum Schlaganfall werden durch mäßigen Weinkonsum vermindert. Nach allgemeiner Überzeugung vieler Fachleute liegt die ideale Menge für Frauen bei 0,25 Liter, für Männer bei 0,4 Liter Wein täglich. Die genannten Empfehlungen gelten allerdings nicht für schwangere Frauen.

Schließlich es ist ebenfalls einwandfrei erwiesen, dass bereits geringe Mengen Alkohol das Ungeborene schwer schädigen können.

Wein_und_Gesundheit_01Bei höherer Dosierunq des Alkohols verkehrt sich seine schützende Wirkung jedoch ins Gegenteil. Ab einem Liter Wein pro Tag wird die förderliche Wirkung des Alkohols auf Herz und Kreislauf aufgehoben. Nun treten wiederum andere Gefahren in den Vordergrund.

Abgesehen von den Gefahren einer möglichen Alkoholabhängigkeit wird zunehmend die Leber belastet und bei dauerhaftem Alkoholmissbrauch auch geschädigt. Die Kehrseite des „französischen Paradoxes” zeigt sich folglich auch darin, dass in Frankreich viel mehr Leberdefekte diagnostiziert werden als in den Vereinigten Staaten. Insgesamt hat Wein über eintausend verschiedene Inhaltsstoffe.

Neben Wasser und Athylalkohol sind dies vor allem höhere Alkohole (z.B. Glycerin, Methanol), Säuren, Zucker, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aromastoffe und Vitamine. Vor allem die Spurenelemente Eisen, Magnesium und Kalium sowie die Vitamine des Weines tragen zu einer gesunden Ernährung bei. Doch die gesündesten Stoffe im Wein sind ohne Zweifel die „Polyphenole”. Dabei handelt es sich um vielfältige chemische Verbindungen, die vor allem in den Traubenstielen, -schalen und -kernen vorkommen.

lhre Zusammensetzung ist je nach Rebsorte und Anbaugebiet sehr unterschiedlich. Die Polyphenole bilden das lmmunsystem der Weinbeeren. Sie sorgen bei einer Verletzung der Beerenhaut für eine schnelle Wundheilung und können Parasiten und Pilze abwehren. Die Hauptbedeutung der Polyphenole liegt in ihrer Wirkung als „Antioxidantien”: Sie sind in der Lage, Reaktionen mit Sauerstoff (Oxidation) in den Körperzellen zu verhindern.

Sauerstoff ist zwar lebensnotwendig, kann aber chemisch auch sehr aggressiv sein.

Rostlöcher in einem alten Auto sind schließlich auch nichts anderes als die Folge einer Reaktion des Stahlblechs mit Sauerstoff. In den Körperzellen entstehen durch Oxidationsprozesse die gefürchteten „Freien Radikale”, denen von Medizinern eine große Rolle bei der Entstehung von Krebs und Herzerkrankungen zugeschrieben wird. Mit ihrer zerstörerischen Kraft können sie sogar das Erbgut einer Zelle schädigen.

Bis heute sind die Fähigkeiten, Freie Radikale zu neutralisieren, vor allem für vier Polyphenole wissenschaftlich nachgewiesen. Das wirkungsvollste Polyphenol ist ein Stoff mit dem Namen Resveratrol. Neben seiner antioxidativen Wirkung ist er auch in der Lage, den Cholesterinspiegel günstig zu beeinflussen. Am höchsten ist seine Konzentration in Cabernet-Sauvignon- und Spätburgunder-Trauben aus den kühleren Anbaugebieten.

Das Geheimnis des Weins liegt nun darin,

dass die Polyphenole durch den Alkohol im Wein bestens konserviert werden. In Fruchtsäften hingegen werden diese Verbindungen relativ schnell abgebaut. Zudem verbessert der Alkohol die Aufnahmefähigkeit des menschlichen Körpers für die Polyphenole entscheidend. So kamen kalifornische Wissenschaftlerzu dem Ergebnis, dass der tägliche Genuss von zwei Gläsern Rotwein die Versorgung mit Antioxidantien um 40 Prozent verbessert.