Alpenvorland

Alpenvorland

In dem kleinen Dorf Zagersdorf im burgenländischen Bezirk Eisenstadt hat der Weinbau in Österreich wohl begonnen: In einem 2700 Jahre alten Grabhügel aus der Hallstattzeit wurden Traubenkerne entdeckt, die mit den Kernen von Vitis Vinifera identisch sind. Schon die in der Antike in Österreich siedelnden Kelten wussten offenbar, dass Trauben nicht nur ein gesundes Obst sind, sondern sich auch vorzüglich zur Herstellung eines alkoholischen Getränks eignen, des Weins.

Nach den Kelten kamen die Römer nach Österreich und gründeten in den Ostalpen und im östlichen Alpenvorland die Provinzen Noricum und Pannonia, wo sie den vorhandenen, zaghaften Weinbau entscheidend vorantrieben. Nach dem Abzug der Römer und dem Untergang ihres Reiches im 5. Jahrhundert kam der Weinbau unter der darauf folgenden Herrschaft von Goten und später Slawen und Awaren allerdings nahezu zum Erliegen. Erst unter den Franken und insbesondere während der Regierungszeit des Weinliebhabers Karls des Großen wurde der Weinbau wiederbelebt und auf breiter Front vorangetrieben. lm 11 und 12. Jahrhundert legten Zisterziensermönche viele neue Weinberge an.

Ähnlich wie in Deutschland waren im Mittelalter die Rebflächen um ein Vielfaches größer als heute.

Österreichischer Wein genoss hohes Ansehen und wurde in alle Welt exportiert. Das Qualitätsniveau der österreichischen Weine stieg bis zu Beginn der frühen Neuzeit stetig. So sollen im Jahre 1526 im Gebirge von Donnerskirchen bereits Ausleseweine aus edelfaulen Trauben bereitet worden sein. Gut 250 Jahre später schuf Kaiser Josef ll. die gesetzliche Grundlage für die weitere Verbreitung der Rebkultivierung und besonders für den Vertrieb von Wein. 1784 ließ er einen Erlass verbreiten, durch den den Winzern erlaubt wurde, die eigene Ernte auch im eigenen Haus zu verkaufen. Damit wurden die,,Buschenschenken", die auch nach der Art ihres Weines "Heurige" genannt werden, legalisiert.

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In ihnen wird bis heute der Heurige offen oder in Flaschen verkauft. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Weinbauschulen in Klosterneuburg, Krems, Retz, Silberberg, Gumpoldskirchen und Mistelbach gegründet. Durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Errungenschaften wurde der Weinbau von ihnen entscheidend vorangetrieben. Diese stetige Aufwärtsentwicklung des österreichischen Weinbaus wurde in der Mitte der 198Oer-Jahre kurzzeitig durch einen Weinskandal erschüttert, durch den das Vertrauen der Konsumenten in österreichische Weine vorübergehend verloren ging und in der Folge deren Absatz stark sank.

In Österreich und in Deutschland wurden österreichische Weine entdeckt, die durch den

Zusatz des harmlosen, aber verbotenen Stoffs Diäthy-lenglykol gepanscht worden waren. Dieser sollte den Weinen aus den schlechten Jahrgängen 1984 und 1985 mehr Körper und Süße verleihen. Auf Grund der Namensähnlichkeit mit dem Frostschutzmittel Athylenglykol war schnell vom "Frostschutzmittelskandal" die Rede. Die Folge dieser Panschereien allerdings waren Änderungen und Verschärfungen des Weingesetzes. So wurde die Qualität der Weine und die Kontrolle von Winzern und
Abfüllern entscheidend verbessert, um für die Zukunft solche Skandale auszuschließen. Heute genießen die Weine aus der Alpenrepublik unter den Weinliebhabern in aller Welt wieder den erstklassigen Ruf, der ihnen auf Grund ihrer Qualität auch zukommt.

Klimatische Bedingungen

Für den Weinbau sind in Österreich ausschließlich die niedrig gelegenen Landesteile und Täler geeignet, da das Traubengut in diesen Breitengraden auf Höhen von über 500 Metern nicht zur Vollreife gelangt. Daher befinden sich die Rebflächen überwiegend im flachen Osten und Südosten der Alpenrepublik (nicht aber in den ständig oder in den Wintermonaten völlig vereisten Gebirgsregionen des Alpenlandes). Die Vegetationszeit vom Austrieb der Rebe im Frühjahr bis zum Blattfall im Herbst beträgt je nach Sorte zwischen 200 und 250 Tagen. Warme, sonnige Sommer und lange, milde Herbsttage mit kühlen Nächten bescheren den Winzern reife und gesunde Trauben. In den meisten österreichischen Regionen, in denen Reben kultiviert werden, sind die klimatischen Bedingungen für den Weinbau ideal.

Die Abschirmung von ozeanischen Einflüssen durch die Hochgebirge beschert den Weinbaugebieten Österreichs ein

kontinentales Klima, das auch als pannonisches Klima bezeichnet wird. Die Winter sind bitterkalt und oft sehr trocken, sodass gelegentlich bei Frost von minus 30°Celsius bereits ganze Weinberge erfroren sind. Die Sommer sind ebenfalls trocken und sehr warm. Die Durchschnittstemperaturen im Juli sind in den wärmsten österreichischen Weinregionen im Osten des Landes mit denen im französischen Rhöne-Tal vergleichbar. Auch die Niederschlagsmengen in Österreich sind für den Wuchs der Pflanzen und die Reifung der Beeren ideal:

Die jährlichen Niederschläge betragen im Osten Österreichs 500 mm und in den Weinbaugebieten der Steiermark 800 mm. Großen Einfluss auf die mikroklimatischen Bedingungen in einigen Weinbaugebieten Niederösterreichs hat die Donau. Sie dient als Wärmereflektor und nivelliert die Temperaturschwankungen. lm nördlichen Burgenland wirkt der große, flache Neusiedlersee begünstigend auf das Klima und fördert die Edelfäule, sodass an seinen Ufern im späten Herbst Beeren- und Trockenbeerenauslesen sowie Ausbruchweine heranreifen. In Österreich liegen die Rebflächen im Durchschnitt auf etwa 200 Höhenmeter. ln Niederösterreich bewirtschaften die Weinhauer ihre Weingärten noch bis zu 400 Meter über dem Meeresspiegel.

Die höchst gelegenen Weinorte befinden sich dagegen im steirischen Sausal:

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In Kitzeck und St Andrä wird noch in einer Höhe von fast 600 Metern Weinbau betrieben. Die Weingebiete liegen in insgesamt gemäßigten Klimazonen ohne Extreme, etwa auf dem 47. und 48. Breitengrad, vergleichbar zum Beispiel mit dem französischen Weinbaugebiet Burgund.

Die Böden

In Österreichs Weinbergen gibt es eine Vielfalt unterschiedlichster Böden. lm Weinviertel und im Donauland dominieren für den Wuchs der Rebpflanzen günstige Lößböden. Bei Krems und Langenlois sowie in der Wachau herrscht Urgestein vor, in der Thermenregion sind es Kalkböden. Höchst unterschiedlich sind die Bodenarten im Burgenland, vom Schiefer im Leithagebirge über Lehm, Mergel und Löß bis zu reinem Sandboden finden sich hier. Braunerde und die Vulkanböden bei Klöch herrschen in der Steiermark vor.

Rebflächen und Weinkonsum

Ein Vergleich mit den anderen Wein ezeugenden EU-Ländern verdeutlicht die Größenordnung der österreichischen Weinproduktion. In der Gemeinschaft werden etwa insgesamt 3,5 Millionen Hektar Fläche mit Rebkulturen bewirtschaftet, die eine durchschnittliche Jahresproduktion von über 160 Millionen Hektoliter erzielen. Neben den europäischen Giganten am internationalen Weinmarkt - Frankreich, Italien und Spanien- sehen die 48.500 Hektar Weinbaufläche Österreichs eher bescheiden aus. Die Anbaufläche für Rebpflanzen ist in den letzten Jahren ständig zurückgegangen. Hatte das Alpenland im Jahre 1992 noch ca. 57.000 Hektar Rebfläche, so wurde bei der Weingartengrunderhebung vom 31. August 1999 nur noch eine Fläche von 48.500 Hektar vorgefunden.

Dabei ging die Bebauung des Landes mit weißen Rebsorten um 17 Prozent auf 36.100 Hektar zurück.

Die Rotweinfläche sank im gleichen Zeitraum von sieben Jahren hingegen nur um 7 Prozent auf 12.350 Hektar - Konsequenz des "Rotwein-Booms" der letzten Jahre. Die Weingartengrunderhebung von 1999 ergab für die einzelnen Regionen eine genaue Aufschlüsselung der Anzahl der Weinbaubetriebe, der Weingartenflächen und ihre Verteilung auf rote und weiße Sorten. Fast die gesamte Rebfläche Österreichs ist speziell für die Erzeugung von Landwein zum "Weinland Österreich" zusammengefasst.

Das entspricht knapp 45.000 Hektar, wovon auf den Anbau von weißen Rebsorten 35.000 Hehar entfielen. Die Landweine erbringen jedes Jahr ungefähr die Hälfte der gesamten österreichischen Weinproduktion. Für die Ezeugung von Qualitätsweinen ist das Weinland Österreich weiter in 16 einzelne Anbaugebiete aufgeteilt, deren Größe zwischen den 15.000 Hektar des Weinviertels und den nur 425 Hektar der Weststeiermark liegt. Von den über 32.000 österreichischen Weinbaubetrieben verfügen die meisten über eine Ertragsfläche von unter einem Hektar - etwa 21.000 Winzer sind derartige Kleinstbetriebe. Sie werden - eine Parallele zur Situation in Deutschland - in der Regel als Nebenerwerbsbetriebe von so genannten Feierabendwinzern bewirtschaftet. 2500 Betriebe bauen ihren Wein auf einer nutzbaren Fläche von mehr als fünf Hektar an.

Der Pro.Kopf-Verbrauch an Wein liegt in Österreich mit 34 Litern pro Jahr im Mittelfeld eines internationalen

Vergleichs, aber weit höher als etwa in Deutschland (23 Liter). Dabei schmeckt den Österreichern aber auch Wein aus anderen Ländern, von denen sie im Bilanzjahr 1998/1999 565.000 Hektoliter importierten, etwa ein Viertel des gesamten nationalen Konsums. Jede vierte in Österreich getrunkene Flasche Wein stammt somit aus dem Ausland. Dagegen exportierte Österreich im gleichen Zeitraum mit 228.000 Hektolitern weit weniger als die Hälfte der lmportmenge.

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Die Rebsorten

Österreich hat bei den Sorten eine große Vielfalt, die den unterschiedlichen Gegebenheiten von Böden und Klima Rechnung tragen und sehr differenzierte Weine hervorbringen. Vorherrschend sind etwa 20 Weißwein-und zehn Rotweinsorten. Drei Viertel der Rebfläche sind mit Weißweinsorten bestockt, ein Viertel mit roten Sorten. lm Laufe der vergangenen 30 Jahre ist die Ezeugung von Weißwein zu Gunsten der Rotweine ständig zurückgegangen. Lag der Anteil von Weißweinen 1960 noch bei 87 Prozent und der von Rotweinen bei 9 Prozent, so sank der Anteil der Weißen bis 1997 auf 71 Prozent, um bis 1999 wieder leicht auf 75 Prozent anzusteigen. In Österreich dominiert der Weißwein, die landestypischen Rebsorten sind vorherrschend.

Die größte Fläche nimmt der Grüne Veltliner, der auch als Weißgipfler bezeichnet wird, ein.

Die Sorte bringt fruchtige, trockene Weißweine mit einer meist als pfeffrig beschriebenen Wüzigkeit. Sie ist vor allem deshalb so beliebt in Österreich, weil sie so vielseitig ist. Sie liefert einerseits zuverlässig die großen Mengen frischen und fruchtigen jungen Weins, den Heurigen. In höheren Prädikatsstufen werden aus dem Grünen Veltliner aber auch üppige, körperreiche Weißweine mit gelegentlich sogar exotischen Noten ezeugt.

Die bedeutendsten Anbaugebiete für den Grünen Veltliner sind Niederösterreich, das Burgenland und Wien. Mit 17.500 Hektar belegt diese Sorte den Spitzenplatz, gefolgt vom Welschriesling mit 4500 Hektar. Dieser ist mit dem Riesling nicht näher verwandt und erbringt aromatische, leichte Weine mit guter Säure. Am Neusiedlersee entstehen aus dem Welschriesling unter dem Einfluss der Edelfäule herausragende Süßweine. Auf dem dritten Platz bei den weißen Sorten steht der in Österreich ebenso wie in Deutschland rückläufige Müller-Thurgau mit 3300 Hektar Ertragsfläche. Der Riesling, hier auch als Weißer Riesling oder Rheinriesling bezeichnet, kommt auf 1000 Hektar meist prominenter Rebflächen.

Von den insgesamt mit roten Sorten bebauten 12.500 Hektar werden dem Blauen Zweigelt mittlerweile bereits 4500

Hektar gewidmet - Tendenz: weiter steigend. Er ist eine österreichische Neuzüchtung, die 1922 an der Weinbauforschungsanstalt Klosterneuburg von Dr. Zweigelt durch die Kreuzung von Blaufränkisch und St. Laurent, einer Mutation des Blauen Spätburgunders, geschaffen wurde. Der Zweigelt ergibt samtige, fruchtige, nicht allzu dunkle Rotweine. Als Jungwein besitzt der Zweigelt ein ausgeprägt fruchtiges Bukett, das mit der Reife runder und feiner wird. Die Palette der aus Zweigelt gewonnenen Rotweine reicht von jung zu trinkenden, leichten Tischweinen bis hin zu kraftvollen, kirschfarbenen Lagerweinen.

Danach folgt in der Liste der roten Sorten der in Deutschland aus Württemberg als Lemberger bekannte Blaufränkisch mit 2640 Hektar. Seine Weine sind tanninreich, kraftvoll und langlebig. Auf Platz drei folgt mit 2400 Hektar der Blaue Portugieser. Darüber hinaus werden zunehmend die international beliebten klassischen französischen Sorten angebaut. So hat sich in der Steiermark gezeigt, dass der Sauvignon blanc für die Böden und das Klima dieses Weinbaugebietes wie geschaffen ist. Im Burgenland wird der Anbau der Burgundersorten forciert, und vor allem Weißburgunder und der hier als Blauburgunder bezeichnete Blaue Spätburgunder bringen herausragende Ergebnisse. Aber auch aus Cabernet Sauvignon und Merlot werden vor allem, im Burgenland und in den niederösterreichischen Anbaugebieten Thermenregion und Weinviertel ausgezeichnete Rotweine nach dem Vorbild von Bordeaux gekeltert.

In den westlichen Anbaugebieten Niederösterreichs an der Donau tritt neben dem Grünen Veltliner qualitativ gesehen

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vor allem der Riesling in Erscheinung, dessen beste Weine aus den Gebieten an der Donau und ihren Nebenflüssen Traisen, Krems und Kamp kommen. Im Burgenland verbreitet ist darüber hinaus der St. Laurent, der hier tanninreiche, lagerfähige Rotweine hervorbringt. Weiter auf die südlicheren Weinbaugebiete Österreichs konzentriert sich der Anbau des Grauen Burgunder und verschiedener Traminer-Sorten, vor allem des Gewürztraminers. Der Blaue Wildbacher ist eine Spezialität aus der Weststeiermark, wo er in mehreren lokalen Spielarten auf 165 Hektar angebaut wird. Aus der roten Rebsorte erzeugen die steirischen Winzer den ausgezeichneten Schilcher, den besten österreichischen Rosewein.

Der Frührote Veltliner ist eine nicht mit dem Grünen Veltliner verwandte Rebsorte ungeklärter Herkunft. Auf 1100 Hektar werden weiche, süffige und ehrliche Weine erzeugt. Der Rote Veltliner, der auf 320 Hektar angebaut wird, ist ebenfalls nicht mit dem Grünen Veltliner verwandt. Die weiße Rebsorte liefert unter optimale Bedingungen einen charaktervollen und langsam reifenden Weißwein. Auf nur 50 Hektar in der Südsteiermark ist Chardonnay angepflanzt, der hier - wie übrigens auch im burgundischen Chablis - als Morillon bezeichnet wird. Die Weine sind fein, charaktervoll und sehr langlebig. Sie gehören zu den besten Weißweinen Österreichs. Weitere 1100 Hektar der österreichischen Weinberge sind mit Muskateller-Sorten bestockt, von denen der Muskat-Ottonel die häufigste ist.

Sie bringt im Burgenland reife, vollmundige Weine hervor, während in der Südsteiermark charaktervolle Weine mit

eleganter Säurestruktur aus dem Gelben Muskateller entstehen. Der Neuburger ist eine typisch österreichische weiße Rebsorte, die hier auch als Grüner Burgunder bezeichnet wird. Auf 1800 Hektar liefert sie fruchtige, süffige Alltagsweine, während sie in den Steillagen der Wachau ausdrucksvolle, kräftige Weißweine ergibt. Eine ertragsschwache Weißweinsorte, die auf nur 200 Hektar angebaut wird, ist der Rotgipfler. Zumeist wird er mit dem Zierfandler verschnitten, wobei ausgezeichnete Weißweine entstehen können. Der Zierfandler steht auf 125 Hektar der österreichischen Weinberge. Die weiße Sorte wird in der Regel mit dem Rotgipfler verschnitten, kann reinsortig aber auch feine und rassige Weine hervorbringen.

Das Österreichische Weingwesetz

Das österreichische Weingesetz wurde in der Folge des Weinskandals von 1985 von Grund auf restauriert und neu gestaltet. Es ist stark an das deutsche Weinrecht angelehnt in seinen inhaltlichen Ausformungen aber wesentlich strenger als dieses. Auch in Österreich gilt als primäres qualitatives Merkmal der Zuckergehalt der Weintrauben bei der Lese. lm Gegensatz zu Deutschland wird dieses Mostgewicht in Österreich jedoch nicht in Oechslegraden, sondern in Graden nach der Klosterneuburger Mostwaage, kurz KMW angegeben. Dieses Messverfahren wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von August Wilhelm Freiherr von Babo entwickelt und gibt den prozentualen Anteil des Zuckers im Most an. Zur Umrechnung von Oechslegraden in KMW-Grade dient der Faktor 5 (eigentlich exakt 498) zur Multiplikation bzw. Division. 1°KMW entspricht also ungefähr 5°Oechsle.

Im Vergleich mit Deutschland liegen die Mindest-anforderungen an das Mostgewicht in Österreich vor allem im

unteren Qualitätsbereich wesentlich höher als in Deutschland. Das österreichische Weingesetz unterteilt die Weine in die Qualitätsstufen Tafelweine, Landweine, Qualitätsweine und Qualitätsweine besonderer Reife und Lesart ein. Diese sind weitgehend vergleichbar mit den deutschen Qualitätsweinen mit Prädikat. Im Unterschied zu Deutschland stellt allerdings die Qualitätsstufe Kabinett keinen Qualitätswein besonderer Reife und Lesart dar, sondern ist in die Stufe der Qualitätsweine integriert. Das österreichische Weingesetz nimmt aber auch Anleihen beim französischen Weinrecht. So sind in Österreich die maximalen Hektarerträge für Qualitätsweine streng begrenzt. In der Praxis sind dies Maßnahmen am Stock (Rebschnitt, Ausdünnen des gesunden Traubenguts).

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Für Qualitätswein ist im Österreichischen Weingesetz der geringe Höchstertrag von 9000 kg/ha festgeschrieben. Das ergibt 55 Hektoliter Wein pro Hektar Anbaufläche, mehr dürfen die österreichischen Winzer nicht erzeugen. In der Regel gibt es aber in besonders ertragsstarken Jahren einen gewissen Zuschlag. Diese Praxis führt insgesamt dazu, dass Österreich bei etwas weniger als der halben Anbaufläche Deutschlands in normalen Jahren doch nur gut ein Viertel der Weinmenge seines nördlichen Nachbarlandes erzeugt. Alle österreichischen Weine tragen eine rot-weiß-rotgestreifte Banderole am Flaschenhals, auf der Kapsel oder - falls keine Kapsel vorhanden ist - über dem Korken. Damit garantiert der Erzeuger, dass sein Wein im Einklang mit den gesetzlichen Regelungen über die Weinbereitung und über die Herkunftsbezeichnung steht.

Geschmacksrichtung und damit Restzuckergehalt müssen auf dem Etikett zum Ausdruck gebracht werden.

Obergrenze für trockene Weine sind höchstens vier Gramm pro Liter Restzucker, eine Ausweitung auf neun Gramm pro Liter wie in Deutschland ist nicht zulässig. Weine bis neun Gramm pro Liter gelten in Österreich bereits als halbtrocken. Darüber werden die Weine als halbsüß oder lieblich bezeichnet und ab 18 Gramm Restzucker pro Liter schließlich als süß. Jeder Wein muss zu mindestens 85 Prozent aus der einen oder den maximal zwei angegebenen Rebsorten sowie aus dem angegebenen Jahrgang stammen.

Tafelwein

Die niedrigste Qualitätsstufe ist in Österreich von viel größerer Bedeutung als in Deutschland. 43.000 der 48.500 Hektar österreichischer Weinberge sind für die Erzeugung von Tafelweinen zugelassen, und ungefähr die Hälfte der gesamten jährlichen Weinproduktion Österreichs besteht aus Tafelweinen. Zum Vergleich: In Deutschland schwankte der Anteil von Tafelweinen an der Gesamtweinerzeugung in den letzten vier Jahren zwischen drei (1997) und 11,5 Prozent (1999). Österreichische Tafelweine müssen ein Mostgewicht von mindestens 13°KMW besitzen. Das entspricht 65°Oechsle und würde in Deutschland für viele Rebsorten bereits einen Qualitätswein b.A. ergeben. Um Verwechselungen zu vermeiden, darf österreichischer Tafelwein nicht in 0,75-l-Flaschen abgefüllt werden.

Landwein

Die nächste Qualitätsstufe, die das österreichische Weingesetz vorsieht, ist der Landwein. Hier sind nur bestimmte Rebsorten zugelassen. Das Mindestmostgewicht beträgt 13,6°KMW dies entspricht 68°Oechsle. Das ist ein höheres Mostgewicht, als es beispielsweise an der Ahr, am Mittelrhein sowie an Mosel, Saar und Ruwer für einen Riesling Kabinett gefordert wird. Österreichische Landweine dürfen höchstens 11,5 Volumenprozent Alkohol enthalten bei einer maximalen Restsüße von sechs Gramm Zucker pro Liter. Mengenmäßig ist der Landwein in Österreich mit nur fünf Prozent Anteil an der Gesamtweinerzeugung relativ unbedeutend.

Qualitätswein

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Die Kategorie der einfachen Qualitätsweine umfasst sowohl die eigentlichen Qualitätsweine als auch die Qualitätsstufe Kabinett. Die Weine müssen aus einer der vier bestimmten Weinbauregionen stammen, Verschnitte verschiedener Regionen sind nicht zulässig. Das Mostgewicht muss mindestens 15°KMW betragen, umgerechnet fast 75°Oechsle. Dies entsoricht für fast alle Rebsorten in Deutschland der Qualitätsstufe Kabinett, lediglich in Baden liegen die Anforderungen für Kabinett bei einigen Rebsorten höher. Anreicherung ist in gewissen Grenzen ebenso zulässig wie das Zufügen von Süßreserve nach der Vergärung.

Nur bestimmte Rebsorten sind zugelassen, die Weine werden wie in Deutschland amtlicherseits daraufhin geprüft, ob sie die Charakteristiken der Rebsorte und der Herkunft zum Ausdruck bringen. Bis zu einem Drittel der Erntemenge eines Jahres entfallen auf Qualitätsweine.

Kabinett

Weine der Qualitätsstufe Kabinett zählen rechtlich zu den einfachen Qualitätsweinen. Sie dürfen allerdings nicht wie diese. Dies entspricht ungefähr 85°Oechsle, was in Deutschland durchweg mindestens Spätlese-Qualität, in manchen Anbaugebieten für Riesling sogar bereits Ausleseweine ergibt. In gewissen Grenzen darf österreichischer Kabinettwein nach dem Gärprozess mit Süßreserve versetzt werden. Allerdings ist der Restzuckergehalt auf neun Gramm pro Liter begrenzt, unabhängig davon, ob er aus den Trauben oder aus Süßreserve stammt. Liebliche Kabinettweine gibt es damit in Österreich nicht - nach deutschem Verständnis noch nicht einmal halbtrockene.

Spätlese

Spätlesen müssen wie alle Prädikatsweine aus einem einzigen der 16 Anbaugebiete stammen, Verschnitte verschiedener Anbaugebiete sind - wie in Deutschland auch - verboten.

Sie müssen obligatorisch aus einem bestimmten Jahrgang stammen, der auf dem Etikett angegeben werden muss.

Spätlesen dürfen - ebenfall seine Parallele zu Deutschland - nicht angereichert werden, der Alkoholgehalt muss somit aus dem natürlichen Traubenzucker stammen. Im Gegensatz zu deutschen spätlesen dürfen österreichische nicht mit Süßreserve behandelt werden, ihre Restsüße stammt ebenfalls aus dem natürlichen Zuckergehalt der Trauben. Dementsprechend hoch sind auch die Anforderungen an das Mindestmostgewicht. Das Traubengut muss im vollreifen Zustand gelesen werden und ein Mostgewicht von mindestens 19°KMW aufweisen. Das sind 95°Oechsle. Damit dürfte man in allen deutschen Anbaugebieten außer in Baden weiße Ausleseweine erzeugen. Nur für Rotwein-Auslesen sind die Anforderungen in Deutschland höher.

Auslese

Österreichische Ausleseweine dürfen nicht angereichert oder nachgesüßt werden. lhr Mostgewicht muss mindestens 21°KMW betragen, das entspricht 105°Oechsle oder einem potentiellen Alkoholgehalt von 14,5 Volumenprozenten. Das Traubengut muss mindestens vollreif, besser noch überreif sein, bei der Lese müssen unreife und kranke Trauben ausgesondert werden. Auch das Mindestmostgewicht für Auslesen liegt höher als in Deutschland, lediglich für Rotweine aus dem Rheingau gelten genauso strenge Werte.

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Strohwein

Ahnlich wie in manchen Gegenden Frankreichs und Italiens wird auch in Österreich vereinzelt Strohwein produziert. Auch hier gelten strenge Regeln. Die überreifen Trauben müssen ein Mostgewicht von mindestens 25°KMW (125°Oechsle) aufweisen, vor dem Keltern müssen sie mindestens drei Monate lang auf Stroh- oder Schilfmatten rosinenartig getrocknet werden.

Eiswein

Für die Erzeugung von Eisweinen sind die gesetzlichen Bestimmungen in Österreich weit gehend identisch mit denen in Deutschland. Sie werden aus Trauben mit einem Mostgewicht von 25°KMW (125°Oechsle) ezeugt, die im gefrorenen Zustand bei mindestens minus acht Grad Celsius gelesen und gekeltert werden. Die Trauben für Eiswein sind in aller Regel nicht von der Edelfäule befallen, aber hochgradig überreif.

Beerenauslese

In den höchsten Prädikatsstufen sind die österreichischen Vorschriften nicht mehr strenger als die deutschen. Für die Erzeugung von Beerenauslesen benötigt man Traubengut mit einem Mindestmostgewicht von 25°KMW (125°Oechsle). Die sehr süßen Weine entstehen aus botrytisierten, von Edelfäule befallenen, zumindest aber überreifen Beeren (z.B. bei roten Sorten), die in Handarbeit in mehreren Durchgängen aus den Trauben herausgelesen werden. Sie können im Alkoholgehalt beträchtlich sein (bis über 14 Volumenprozent) und besitzen eine unbeschreiblich intensive Restsüße.

Ausbruch

Eine österreichische Spezialität ursprünglich aus Rust am Neusiedlersee sind die weltberühmten Ausbruchweine. Sie werden aus Trauben erzeugt die mindestens ein Mostgewicht von 27°KMW (135°Oechsle) aufweisen müssen. Ahnlich wie beim ungarischen Tokaj Aszü muss ein Teil der überreifen und von Edelfäule befallenen Trauben bereits rosinenartig eingeschrumpft sein. Ausbruchweine sind von großer Erlesenheit und können zu den besten österreichischen Weinen gehören.

Trockenbeerenauslese

Wie in Deutschland ist auch in Österreich die Trockenbeerenauslese die höchste Qualitätsstufe für Wein. Trockenbeerenauslesen sind auch hier äußerst selten und werden in vielen Jahrgängen überhaupt nicht erzeugt. Das Traubengut für Trockenbeerenauslesen muss mindestens 30°KMW (150°Oechsle) auf die Mostwaage bringen. Bei der Lese müssen in mehreren Durchgängen die einzelnen, von Edelfäule befallenen und rosinierten Beeren aus den Trauben herausgelesen werden. Sie ergeben beim Keltern winzige Mengen eines nahezu unbeschreiblich süßen und hochedlen Weins mit einem meist moderaten Alkoholgehalt.

Trockenbeeren-auslesen gehören zum Edelsten, was man aus Weinbeeren überhaupt erzeugen kann.

Österreichische Etikettenkunde

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Mit der Novellierung des Weingesetzes von 1999 wurde eine Vielzahl von Vereinfachungen, Klarstellungen und Anpassungen an das europäische Gemeinschaftsrecht vorgenommen. Der Begriff "G'spritzter" mit mindestens 50 Prozent Weinanteil und höchstens 50 Prozent Sodawasser oder Mineralwasser sowie mindestens 4,5 Volumenprozent Alkohol wurde beibehalten. Mit einer weiteren Novelle des Weingesetzes im Jahre 2000 wurde der Begriff "Inländischer Wein" durch "Österreichischer Wein" ersetzt.

Auf dem Etikett vorgeschrieben sind in Ubereinstimmung mit dem EU-Recht die Angabe des Herkunftslandes ("Österreichischer Wein", "Wein aus Österreich", "Österreich"), das Anbaugebiet und die Bezeichnung "Qualitätswein", "Prädikatswein" sowie die Prädikatsstufen ("Spätlese" etc.), die staatliche Prüfnummer, das Nennvolumen, der Abfüller, Ort der Abfüllung, Alkoholgehalt in "o/o vol." , die Geschmacksstufen "trocken", "halbtrocken", "lieblich", "süß". Außerdem dürfen die Winzer und Abfüllbetriebe die Angaben, "Rotwein", "Rose", "Weißwein" und "Jahrgang", einen Markennamen, Empfehlungen für den Konsum des Weines ("kühl servieren" etc.) sowie die Begriffe "Heuriger" "Bergwein" oder "Schilcher" mit Angabe des Jahrgangs auf das Etikett bringen.

Erlaubt ist darüber hinaus, kleinere geographische Einheiten anzugeben, aus denen der Wein stammt, wie die Großlage

und die Riede, das Schloss, die Domäne, die Burg, das Kloster oder das Stift. Auszeichnungen, die der Wein erhalten hat Angaben über den Ausbau wie "Barrique", Angaben wie "Im Familienbesitz", das Weingut, Begriffe wie "Cuvee", "Gemischter Satz", "Der Junge", "Der Neue" sowie der Hinweis "Für Diabetiker geeignet" sind ebenfalls gestattet. Verboten ist es in Österreich dagegen, irreführende textliche oder bildliche Angaben auf dem Etikett zu machen , mehrere Jahrgänge anzugeben, mehr als zwei Sorten aufzuführen und nicht verfizierbare Hinweise wie "natur" oder "rein" zu geben. Für österreichischen Landwein und Tafelwein gelten ähnliche gesetzliche Bestimmungen.

Heuriger und Buschenschenken

Von den zahlreichen österreichischen Weinen ist der Heurige der bekannteste. Er ist jeweils der jüngste, der "aktuelle" Wein. Wie ein Primeur kommt der Heurige ab dem 11. November des Erntejahres in den Handel, wird aber vor allem direkt vor Ort ausgeschenkt und verkauft, besonders in den weit über die Landesgrenzen Österreichs hinaus bekannten Buschenschenken, in denen sich Einheimische ebenso gern aufhalten wie die zahlreichen Touristen. Diese österreichischen Straußwirtschaften sind ländliche oder ländlich anmutende Weinstuben, die man insbesondere in Niederösterreich und in Wien vorfindet. Zu erkennen sind sie an den am Tor ausgehängten "Buschen".

Diese sind Kränze oder Gestecke aus Kiefern- oder Fichtenzweigen, die traditionell von der Winzerfamilie hergestellt und ausgehängt werden. Der Heurige besticht seine Liebhaber mit seiner Leichtigkeit, seiner Frische und Süffigkeit. Er ist dennoch ein relativ preiswerter Alltagswein, der zu einem deftigen Essen genau der richtige Tropfen sein kann. Grundlage für den Heurigen ist in der Regel der Grüne Veltliner.