Donau und Karpaten

Donau und Karpaten

Der Weinbau Rumäniens blickt auf eine wesentlich längere Tradition zurück als der Weinbau in Westeuropa. Bereits vor mehr als 3000 Jahren, vielleicht sogar schon um 3000 vor Christus wurde in den nordöstlichen Regionen Rumäniens sowie in der Region Moldau, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion annektiert wurde und die heute als Moldawien ein unabhängiger rumänischsprachiger Staat ist, Weingekeltert. Um 800 vor Christus erwähnten die Griechen den Weinbau nördlich der Donau, um 400 vor Christus gab es bereits einen regen Warenaustausch zwischen Griechen und rumänischen Bauern und Winzern.

Als die Römer das Gebiet zur Provinz Dakien machten, fanden sie wie in Bulgarien bereits einen intensiven Weinbau

vor. Nach der Vernichtung der rumänischen Weinberge durch die Reblaus setzte man hier voll auf Hybridreben. Erst in den 1960er-Jahren pflanzte man im großen Stil wieder Vinifera-Sorten, und zwar vornehmlich Cabernet Sauvignon. In den 1970er-Jahren besaß Rumänien eine Gesamtrebfläche von fast 350.000 Hektar, doch nach der großflächigen Rodung der Hybridreben ist diese Zahl stark gesunken.

Insgesamt stehen in Rumänien heute über 200.000 Hektar unter Reben, von denen etwa 80.000 Hektar für die Erzeugung von Weinen und der Rest für die Tafeltraubenproduktion genutzt werden. Mit rund acht Millionen Hektoliter Wein pro Jahr gehört Rumänien zu den großen Weinbauländern in Osteuropa. Der Weinbau wird von Genossenschaften dominiert, große Privatkellereien sind kaum zu finden. Der rumänische Weinbau konzentriert sich auf die Gebiete Cripna, Moldau, Dobrogea, Murfatlar, Muntenia, Transsilvanien (Siebenbürgen), Oltenia und Banat. Östlich der Karpaten, im Anbaugebiet Moldau, wird rund um die Stadt lagi der berühmte Cotnari-Wein hergestellt, ein heller, sehr süßer Wein aus am Stockgetrockneten und rosinierten Trauben aus den Sorten Grasa, Feteascä Albä Francusa und Tämlioasä.

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In der Region Dobrogea (Dobrudscha), die zwischen der Donau und dem Schwarzen Meer

liegt, stehen die bekannten Sorten Ruländer, Welschriesling und Cabernet Sauvignon im Anbau. Südlich dieses Gebietes wird in Murfatlar der bekannte gleichnamige Wein erzeugt, der wiederum dem Cotnari ähnelt. Aber auch saubere, fruchtige und ansprechende Weine aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Chardonnay kommen aus Murfatlar. Besonders hervorzuheben sind auch die Rotweine von den Hanglagen der Karpaten aus der Region Munteniaum die Stadt Ploest, die auch als Dealul Mare bekannt sind.

In den etwas kühleren Anbaugebieten im Zentrum und im Norden des Landes - insbesondere in Transsilvanien (Siebenbürgen) - werden die Weine dagegen an Säure reicher und leichter im Alkoholgehalt. Hier wachsen vor allem weiße Sorten wie Feteascä Albä Feteascä Regalä Welschriesling, Sauvignon Blanc und Grauburgunder. In dieser Region ist ein deutlicher deutscher Einfluss auf den Weinbau spürbar, sowohl in den Rebschnittmethoden und -erziehungssystemen als auch in der Vinifikation und im Stll der Weine. Aus den steilen Weinbergen Siebenbürgens kommen Weine, deren beste in ihrem fragilen und subtilen Säurespiel an die Weine von der Mosel erinnern können.

Von dort kam im Mittelalter auch ein Teil der als Siebenbürger Sachsen bezeichneten deutschen Einwanderer.

Auch das rumänische Weingesetz ist stark an das deutsche angelehnt. Für die Klassifizierung der Weine im Vordergrund steht auch hier das Mostgewicht der Trauben bei der Lese. Rumänische Weine werden in fünf Qualitätsstufen eingeteilt: Tafelweine, Qualitätsweine, Spätlesen (auch: Vollreiflese), Auslesen und Trockenbeerenauslesen. Tafelweine müssen einen Alkoholgehalt von 8,5 und 10,5 Volumenprozent aufweisen, die Landweine haben einen Alkoholgehalt von 10,5 bis 15,5 Prozentvolumen.

Qualitätsweine mit Herkunftsangabe werden als "Hochwertiger Qualitätswein mit Herkunftsbezeichnung und Qualitätsstufe" etikettiert und enthalten mindestens 11,6 Prozent Alkohol. Spätleseweine bzw. Weine mit Prädikat Vollreiflese müssen ein Mostgewicht von mindestens 95°Oechsle aufweisen, Ausleseweine benötigen 100°Oechsle und Beerenauslesen liegen bei mindestens 112°Oechsle.